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2018

DSGVO-Fass ohne Boden

Fast ein halbes Jahr DSGVO. Was hat sich getan?
Es gibt viele Bereiche, die gar nicht auf dem Schirm der Datenschutzbehörden liegen. So glaub ich z. B., dass man sich noch nie mit dem Datenschutz der HbbTV-Angebote (SMART-TV) auseinandergesetzt hat.
Ich habe mir mal die Mühe gemacht und im SMART-TV die HbbTV Angebote der Sendeanstalten aufgerufen:
Die Öffentlich-Rechtlichen Sendeanstalten verzichten gänzlich auf eine Datenschutzerklärung (Stand Oktober 2018).
Bei der RTL-Gruppe ist alles sehr übersichtlicht und schnell auffindbar. Jedoch verstoßen die Voreinstellungen dem Grundsatz "privacy by design" bzw. "privacy by default". Also: Standardmäßig werden vom Zuschauer alle Cookies akzeptiert.
Die Prosieben/Sat1 Gruppe schießt jedoch den Vogel ab! Man muss sage und schreibe 89 Seiten nach unten scrollen (auf der TV-Fernbienung ist das jedesmal ein Tastendruck), bis man endlich zur ERSTEN Einstellung (Content-Cookies) kommt. Wenn man mühsam herausgefunden hat, wie man die Cookies ablehnt, muss man x-mal weiterhin nach unten scrollen um die Cookies für NuggAd, Adex und Adserver abzulehnen! Das kann nicht im Sinne der DSGVO sein! Zumal auch hier standardmäßig alle Cookies akzeptiert werden.
Idealer Weise (für die Sendergruppe) hat man sich vorher noch auf der Webseite von Pro-7 mit seinen persönlichen Daten registriert. Jetzt kann man über die IP des Nutzers, die Seriennummer des TVs (oder eine individuelle Gerätekennung von Pro7) perfekt auf das persönliche Profil des Zuschauers zugreifen und dieses Auswerten. Es werden also nicht nur die Sehgewohnheiten des Zuschauers erfasst, sondern auch das Surfverhalten - in Kombination.
Wer jetzt mit dem Argument kommt, dass es von Vorteil sei, personalisierte Werbung zu bekommen, hat die weitläufigen Möglichkeiten der Werbetreibenden nicht erkannt. So kann zum Beispiel analysiert werden, wieviel der User für ein Produkt ausgeben will und immer die Preise dementsprechend (auch nach oben) anpassen. Zusätzlich wird der User unter Umständen die Produkte von anderen Herstellern gar nicht mehr finden, da die Werbetreibenden natürlich gewillt sind, ihre eigenen Kunden zufrieden zu stellen und nur dessen Produkte einblenden. Das ist nur der Anfang!
Sollten Hacker in den Besitz der Trackingdaten kommen, können die Vorlieben des Benutzers gegen ihn verwendet werden - politische Einstellung? Affinität zu Erotikseiten? Aufruf von Informationen über bestimmte Krankheiten? Anfälligkeit für Fake-Nachrichten und so weiter.