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2013

Telekom DSL

Aufhebung der Netzneutralität oder Notbremse - oder einfach nur Profitgier?

 

Die angekündigten Volumenverträge bei der Telekom sorgen für einen riesigen Aufschrei im Internet.

Die Fakten: Alle DSL-Neuverträge der Telekom werden mit einer Volumenbegrenzung abgeschlossen. Sobald der Kunde ein bestimmtes Datenvolumen überschreitet, wird die DSL Geschwindigkeit auf 384Kilobit/Sekunde herunter gedrosselt. Das ist bei dem kleinsten Volumentarif vierzigmal langsamer als die gebuchte Geschwindigkeit. Beim größten Volumentarif (200Mbit/s und 400GB Volumenbegrenzung) ist das sogar fünfhunderzwanzigmal (520x) langsamer!

Warum macht die Telekom das? Der Grund scheint klar. Die Telekom hat seit Jahrzehnten das Leitungsnetz ausgebaut, das nun von allen anderen Anbietern zu günstigen Konditionen genutzt werden kann. TV-Mediatheken, Video-Portale, Internet-Telfonie, Youtube und Musikanbieter nutzen diese Leitungen quasi zum Nulltarif. Die großen Datensauger wie Google, Facebook und Microsoft wollen sich nicht an den Kosten beteiligen. Aus dieser Sicht ist der Schritt der Telekom nachvollziehbar. Allein die Videowerbung (die übrigens nur nervt) hat das Datenvolumen im Internet explosionsartig in die Höhe getrieben.

Die Leitungen haben nur eine begrenzte Kapazität und die wird in Kürze überschritten sein. Demzufolge wird - wenn nichts weiter passiert - die Leitungsgeschwindigkeit ohnehin irgendwann zusammenbrechen. Ein toller Nebeneffekt ist, dass die Telekom ihre Konkurrenten auf diesem Weg diskriminieren kann. TV und Videoangebote von Telekom Entertain sind explizit vom Traffic ausgeschlossen. Wogegen der Traffic von Maxdome, iTunes oder Youtube natürlich mitgezählt wird

nachtrag: Nach Meinung vieler Experten sind die Leitungskapazitäten noch lange nicht ausgeschöpft (vermutlich mit Ausnahme der dörflichen Versorgung)

Warum jetzt? Vermutlich hat die Telekom ein paar Hochrechnungen angestellt und dabei festgestellt, dass in Kürze das gesamte Leitungsnetz zusammenbrechen könnte. Unsere Abhängigkeit, Privat, Beruflich und für Unternehmen ist mittlerweile so hoch, dass wir nicht mehr aufs Internet verzichten können! Der Zeitpunkt ist auch deshalb strategisch gut gewählt, weil die Politik den Ausbau der  Infrastruktur bis ins kleinste Dorf als klares Ziel definiert hat und die Telekom den Ausbau übernehmen soll. 

Was heißt das für die Verbraucher? Wir werden immer abhängiger vom Internet. Fernsehen, Radio, Einkaufen, Informationen. Es gibt keinen Lebensbereich mehr, der nicht mit dem Internet verknüpft ist. Die Zukunft des Fernsehens liegt zum Beispiel im Internet. Bald werden wir die Tagesschau nur noch per IPTV ansehen. Die neuen TV-Geräte sind ja schon mit WLAN und Netzanschluss ausgestattet. Und die Sender investieren Millionen in ihre Online Plattformen. Der Verbraucher wird gezwungen, mehr Traffic zu verursachen.

Wieviel Traffic habe ich eigentlich? Wer sich seinen Datenverbrauch (z. B. in der Fritzbox) ansieht, wird feststellen, dass die 75 GB Grenze bei den meisten Verbrauchern noch nicht annähernd erreicht ist. Das wird sich aber bald ändern. Radio, Fernsehen, Spielfilm-Portale, Youtube, Videowerbung und Telefonie werden den Verbrauch in Kürze drastisch in die Höhe treiben. Immer mehr Haushaltgeräte werden durch und mit dem Internet vernetzt. Ein HD-Spielfilm hat eine Größe von ca. 10-15GB. Wie groß die Datenmenge bei SKY (mit echtem Full-HD) ist, kann ich nicht sagen. Aber vermutlich mindestens doppelt so hoch wie bei Standard HD). Bei diesen Werten sieht man, was an Traffic auf uns zukommt! Dazu kommen noch die ständigen Updates von Apple, Microsoft und Co. die ebenfalls einige Gigabyte beanspruchen. Ganz zu schweigen von den Toolbars, den Apps (auch bei Windows 8), die im Hintergrund immer wieder Daten übertragen, von denen wir gar nichts  mitbekommen. Nicht vergessen sollte man auch die Datenspeicherung in der Cloud. Fotos haben heute schon häufig eine Dateigröße von 8MB und mehr.

Welche Gefahr besteht für die Telekom? Die Telekom begibt sich mit ihrer Aktion auf ganz dünnes Eis! Die Konkurrenten wie Vodafone oder Kabel-Deutschland können jetzt offensiv mit ihrer ECHTEN Flatrate werben. Große TV-Sender, die auf ihre Mediatheken und Internetplattformen setzen, werden Kampagnen gegen Telekom fahren und die Verbraucher weiter verunsichern. Die Telekom könnte somit weiterhin viele Kunden verlieren. Rächen könnte sich auch das Verhalten, das die Telekom in der Vergangenheit ihren Kunden entgegen gebracht hat. Die versprochenen Bandbreiten wurden nur in den seltensten Fällen eingehalten. Als Grund wurde von der Technik die "alte Kupferleitung" und die lange Leitung zum nächsten Verteiler genannt. In Wirklichkeit hat man JETZT SCHON eine Datendrosselung. Ein Techniker hat mir bei meiner Beschwerde klipp und klar gesagt, dass die Telekom die Datenrate für alle Kunden "garantieren" wolle. Dummerweise war diese Datenrate deutlich geringer, als ein Anschluss im selben Haus zur selben Zeit mit einem anderen Anbieter. Auch die Hardware, die von der Telekom geliefert wurde war niemals auf dem aktuellen Stand der Technik. Das wird in Zukunft vermutlich nicht besser werden.

Welche Gefahr besteht für die Verbraucher? Die Telekom versucht auf diesen Weg wieder ein Monopol zu erlangen. Jahrzehntelang hat man verschlafen aus dem Privileg "Leitungsanbieter" zu sein, Kapital zu schlagen. Nun will man mit aller Macht dieses Quasi-Monopol zu Geld machen. Dazu gehört dann auch wieder die berüchtigte Telekom Hardware, wie z. B. dem Router. Hiermit können bestimmte Internetdienste Remote erlaubt oder verweigert werden. Das Nutzungsverhalten wird sowieso protokolliert. Wer jetzt einen Telekom-Vertrag abschließt, muss sich darüber im Klaren sein, dass die Preise für den Zukauf von zusätzlichem Traffic noch gar nicht bekannt sind.

Fazit: Ich gehöre auch zu den Menschen, die den "Rosa Riesen" gern und häufig (meist zu Recht) kritisieren. Aber hier habe ich eine differenzierte Meinung. Es ist zu einfach, nur auf die Telekom einzuschlagen. Wichtiger wäre es, wenn Unternehmen, wie Google oder die Öffentlich Rechtlichen Sender sich an den Kosten für den Leitungsausbau und deren Pflege beteiligen. Andererseits muss dem Verbraucher die Möglichkeit gegeben werden, Internet-Videos nur auf Wunsch zu aktivieren. Es ist notwendig in Zukunft immer intelligentere Browser zu entwickeln die auch ein Traffic-Mangement beeinhalten. Aber nur die Videos zu sperren ist auch keine Lösung. Damit würden den (kostenlosen) Anbietern die Werbeeinnahmen wegbrechen. Vielleicht schafft es die Telekom ja, die "Großen" wie Google, Apple, Facebook und die TV Sender ins Boot zu holen. Die Milliarden-Gewinne der (überwiegend amerikanischen) Konzerne sollten doch ein paar "Milliönchen" übrig haben, um den Breitbandausbau zu finanzieren. 

Unser Staat hat ja leider kein Geld für die Bürger übrig! Steuern braucht man ja derzeit, um Schuldenberge abzubauen oder Abgeordneten ein sorgenfreies Leben zu garantieren. Da ist es doch schön einfach, immer nach nach privaten Anbietern zu rufen! Bei Gesundheitswesen, Post, Bahn, Flug, Telefon hat man es ja schon geschafft. Ausser im Kommunikationsbereich waren das keine echten Erfolgsgeschichten.

Siehe auch: Das Ende der DSL-Flatrate

Nachtrag: Viele Kommunen und Gemeinden bemühen sich derzeit, ein schnelles Internet zu bekommen. Komischerweise werden die Angebotskosten der Telekom dabei so kalkuliert, dass die Fördermittel, die die Gemeinden bekommen würden, auf ein "normales Angebot" aufgeschlagen werden. Das ist zumindest mein Empfinden, wenn ich die Presseberichte lese. Was im Hintergrund wirklich passiert, wird uns vermutlich verschlossen bleiben. Aber Fakt ist, dass jede Seite Profit machen will! 

Ich wage heute schon die Prognose, dass es uns mit den DSL-Gebühren bald so gehen wird, wie mit den Benzinpreisen: wir werden irgendwann der Preis-Willkür der Leitungsanbieter ausgeliefert sein! Vermutlich werden dann die Preise von der Tageszeit abhängig.

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